Tag des Sieges - Nachtrag

Der 9. Mai wird als der Tag des Sieges über Nazi-Deutschland groß gefeiert. Der Feiertag ist der Tag des Gedenkens an die Gefallenen, der Tag der Veteranen aus dem zweiten Weltkrieg, aber für jüngere Leute inzwischen auch einfach ein Tag des ausgelassenen Feierns. Für viele Russen ist es der wichtigste Feiertag im Jahr.

Zu diesem Anlass finden am Roten Platz alljährlich Militärparaden mit viel politischer Prominenz aus der ganzen Welt statt. Der Rote Platz gilt aber zu diesem Datum als für den Normalbürger und Touristen vollkommen unzugänglich, dort wird wohl haupsächlich für’s Fernsehen gesprochen und salutiert.
Ich war mit Ha zuerst im Gorki-Park. Dort waren nicht allzu viele Menschen, aber doch einige Veteranen. Man erkennt sie sehr leicht an ihren vielen hell klirrenden Medaillen und Auszeichnungen am Revers, die meisten kommen in ihren Militäruniformen. Es gibt hier den Brauch, den Veteranen an diesem Tag eine besondere Ehre zukommen zu lassen. Man dankt ihnen für den Sieg und schenkt ihnen Blumen. Gegen Nachmittag kommt es dann schon mal vor, dass ein Veteran seinen riesigen Blumenstrauß gar nicht mehr alleine tragen kann und Hilfe von Familienangehörigen braucht.

Wir sind dann weitergefahren zum “Park des Sieges” (russ.: Парк Победы). Dort ist ein Museum für Kriegsgerät, eine prächtige Kirche und ein bronzener Obelisk von 141,8 Metern Höhe (10 cm pro Kriegstag) zum Gedenken an den Sieg und die Gefallenen, aber auch an alle, die mitgeholfen haben, den Sieg möglich zu machen: “Danke, Veteranen, für den Sieg!”

DankeVeteranen

Das Gelände ist ziemlich weitläufig und beeindruckend angelegt, mit Springbrunnen und sogar mit ausgestelltem Militärgerät. Im Park des Sieges drängten sich wohl mehrere zigtausend Menschen. Auf zwei Bühnen wurden traditionelle Tänze gezeigt, Reden gehalten und Konzerte gespielt. Am Abend wurden an mehreren Stellen in Moskau Feuerwerke gezündet; wir haben das im Park des Sieges aus der Nähe miterlebt und zwei andere aus der Entfernung. Der Heimweg war dann nicht ganz einfach, weil mehrere Zigtausende auch nach Hause wollten. Die Metrostation am Park des Sieges war vorsichtshalber geschlossen worden… Wir waren gegen Ende eine größere Gruppe gewesen, von der ich mich nun trennte. Ich schwamm in der Menge noch bis zum Киевскии Вокзал (Kiewer Bahnhof) mit, wo ich Ilya und Alyona mit Anhang traf. Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit reichte es leider nur noch für ein kurzes Bier, bevor wir eine der letzten Metros nach Hause nahmen.

Die Stimmung an diesem Tag zu erleben, war für mich etwas sehr Besonderes. Einerseits feierten viele sehr ausgelassen. Zum anderen stand das ausgelassene Feiern in scheinbar krassem Kontrast zu der Trauer um Gefallene - manchmal war ich mir nicht sicher, ob da die Bedeutung des Feiertages nicht in den Hintergrund gerückt war.
Sehr interessant war zu erleben, wie hier auch in diesem Zusammenhang die Sowjetzeit auflebt.

Flagge

Das hat eine mir bisher nur aus Moskau bekannte Stimmung hervorgerufen, eine von “Zusammen schaffen wir das!”, vielleicht eine von Sehnsucht nach einem Miteinander, der man nicht nachkommen kann, nostalgisch-schön, melancholisch.

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